Galerie Die Gesellschaft Aktuelles Felix Hartlaub Das Werk Kontakt

       Die Felix Hartlaub Gesellschaft

 

Die Felix Hartlaub Gesellschaft e. V. wurde im November 2011
in Berlin gegründet. Sie ist Mitglied der ALG (Arbeitsgemeinschaft literarischer
Gesellschaften und Gedenkstätten e.V.). Es ist ihr Anliegen, den Diskurs über
Hartlaubs Werk und Vita zu beleben und das Oeuvre der
Allgemeinheit, insbesondere auch heranwachsenden Generationen,
zugänglich zu machen. Felix Hartlaub soll den ihm gebührenden
Platz in der deutschen Literaturgeschichte erhalten und in der
Bedeutung seiner Zeitzeugenschaft für das vergangene Jahrhun-
dert erkannt werden. Adresse und Kontaktdaten

Interessierte sind herzlich eingeladen, sich als Mitglieder der
Gesellschaft anzuschließen.

 

»Am besten erzähle ich einfach,
          was sich mir täglich sichtbar zeigt;
vielleicht kommt man gerade
          damit dem Unsichtbaren, das natürlich
das Entscheidende ist, am nächsten.«

Felix Hartlaub                                                                       

       Aktuelles

 

Der Dichter als Historiker


Felix Hartlaub:
“Don Juan d'Austria
und die Seeschlacht bei Lepanto"

Vorstellung der Neuedition mit Wolfgang M. Schwiedrzik (Verleger) und Prof. Wolfram Pyta (Historiker)
Am Freitag,den 8. Dezember 2017, 20.30 Uhr,
im Buchhändlerkeller, Carmerstraße 1

10623 Berlin-Charlottenburg

"Programm Buchhändlerkeller"

Edition Mnemosyne

 

Felix Hartlaub: Don Juan d'Austria und die Schlacht bei Lepanto

 

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Herausgegeben von Wolfram Pyta und Wolfgang M. Schwiedrzik. Felix Hartlaubs Torso gebliebenes literarisches Werk wurde ebenso wie der Hauptteil seiner Briefe in verschiedenen Ausgaben ediert, nicht aber seine Dissertation über jene epochale Schlacht im östlichen Mittelmeer, in der die als unbesiegbar geltende Flotte des Osmanischen Reiches am 7. Oktober 1571 von einer vereinigten Flotte christlicher europäischer Mächte unter der Führung von Don Juan d'Austria vernichtend geschlagen wurde. Diese Arbeit wird von der Edition Mnemosyne nun erstmalig seit 1940 zugänglich gemacht.

 Presse:

FAZ Rezension 24.6.2017 von Andreas Kilb: "In seiner Arbeit über Don Juan d’Austria erweist sich der Schriftsteller Felix Hartlaub als vielversprechender Historiker. Die Schilderung der Seeschlacht bei Lepanto gelingt ihm mit einem meisterlichen Trick."

"Sein Charisma lenkte die Galeeren" von Andreas Kilb, FAZ vom 24.06.2017

"Seeschlacht als geistige Tatsache" von Gustav Seibt, SZ vom 04.08.2017

"Don Juan und die Türken" von Hannes Schwenger, Tagesspiegel vom 08.08.2017

Sinn und Form, Heft 4, 2017

Felix Hartlaub: Neapolitaner Aufzeichnungen.

Editiert von Nikola Herweg und Harald Tausch.

Sinn und Form, Heft 3, 2017

Felix Hartlaub: "In Neapel war ich sehr von der eigentlichen Ohnmacht der Kunst vor dem Leben überzeugt". Briefe an die Familie aus Italien 1933.

Editiert von Nikola Herweg und Harald Tausch.

Sinn und Form:"Felix Hartlaub"

Sinn und Form:"Leseprobe"

Nachlese zur Langen Nacht
Wir treffen uns
gleich nach
dem Krieg …

Zum 100. Geburtstag des Schriftstellers Felix Hartlaub
Am Freitag,den 14. Juni 2013, 19.00 Uhr,
im Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23, 10719 Berlin

Presse
"
Die Raupe in den Aktenbergen", Vorankündigung
von Markus Bauer, "Der Tagesspiegel", 14.6.2013

"
Der beste NS-Roman, der nie geschrieben wurd",

von Tilman Krause, "Die Welt", 17.6.2013
"Beobachter in der Sommerfrische"
,
von Arnika Wind, Mannheimer Morgen, 17.6.2013

Die Geister der Odenwaldschule: Zum 100. Geburtstag von Felix Hartlaub: Ein Gespräch mit Geno Hartlaub [geführt von Karl Corino] aus dem Jahr 1986. In: Süddeutsche Zeitung, 17.6.13, S.12
 
Karl Corino: Schreiben unter der Tarnkappe: zum 100. Geburtstag von Felix Hartlaub. In: Das Plateau, 1.8.2013, S. 4 -21
 

Fotos der Langen Nacht:

 

Bibliothek Suhrkamp        
Felix Hartlaub:

Aus Hitlers Berlin 

1934 - 1938

 
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Mit Zeichnungen des Autors Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Nikola Herweg und Harald Tausch.

Nicht erst in seinen Kriegsaufzeichnungen aus Paris  notiert Felix Hartlaub lakonisch, welche Deformationen des Lebens der Nationalsozialismus im Gefolge hatte. Bereits als Student in »Hitlers Berlin«, in den Jahren 1934 bis 1938, bildete er seine Meisterschaft darin aus, an unscheinbaren Szenen des täglichen Lebens aufzuzeigen, wie nichts mehr ist, wie es war. Seine literarischen Skizzen, zunächst nur für die Schublade gedacht, verdichten das Gesehene zu einer melancholischen Beschreibung der neuen Ordnungen, die das Leben der Hauptstadt überformen und erstarren lassen. Weniger melancholisch, vielmehr bissig geht Hartlaub seine Umgebung mit dem Zeichenstift an: Seine Zeichnungen – für den Freundeskreis und die Familie geschaffen – überspitzen, was sich ihm aufdrängt.

Die Literaturwissenschaftler Nikola Herweg und Harald Tausch edieren Hartlaubs Texte und Zeichnungen aus dem Marbacher Nachlass.

Presse

"Felix Hartlaubs Skizzenband aus Hitlers Berlin" von Hannes Schwenger, Tagesspiegel vom 29.08.2014

 

 

Bibliothek Suhrkamp


Felix Hartlaub:
Italienische Reise

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Der Autor Felix Hartlaub war ein Genie der invasiven Empfin-
dung und Beobachtung. Wie der Sohn eines Kunsthistorikers
schreibend und zeichnend als Beobachter begann, zeigt nun
die Erstausgabe von Aufzeichnungen aus dem Jahr 1931. Nikola
Herweg und Harald Tausch edieren ein unveröffentlichtes und
unbekanntes Manuskript aus dem Marbacher Nachlaß: das
Tagebuch einer Studienfahrt nach Italien, die Felix Hartlaub
noch als Schüler der Odenwaldschule unternahm. In seiner
skizzierenden, literarisch ambitionierten Beschreibung der teil-
weise erwanderten Reise von Basel nach Florenz hält er Land-
schaften, Orte und Stimmungen fest. Menschen bleiben, ganz
anders als später in den Kriegsaufzeichnungen, am Rand. Im
zweiten Teil liegt der Schwerpunkt auf ästhetischen Betrach-
tungen - von Architektur, Museen und Kunstwerken. Der Text
wird von etwa dreißig Zeichnungen begleitet.

"Mit Homer in Mussolinis Italien" von Manfred Koch,
Neue Zürcher Zeitung, 15.6.2013

"Geburt eines Augenmenschen" von Oliver Pfohlmann,
Deutschlandfunk, 1.7.2013

"Felix Hartlaubs italienische Reise - Durchkreuzte Pläne" von Christian Metz,
Faz, 19.4.2013


» Hier hat jeder ein Menschenfressergesicht,
          aber oft nicht den Magen oder die Zähne dazu. (...)
                    ich sehe nichts Menschliches.«

Felix Hartlaub                                   

       Felix Hartlaub

 


Felix Hartlaub wäre einer der großen Schriftsteller der Nachkriegsliteratur geworden. Seine Spuren verlieren sich kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Wirren der Schlacht um Berlin. Felix Hartlaub zählt zu jenen zahlreichen Opfern, die als vermisst gelten. Sein schmales Oeuvre, postum veröffentlichte Prosatexte und Briefe, blieb ein Geheimtipp unter Kennern.

Felix Hartlaub wurde am 17. Juni 1913 in Bremen geboren. Er war Sohn des Kunsthistorikers Gustav Friedrich Hartlaub, der im März 1933 als engagierter Direktor der Kunsthalle  Mannheim von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben wurde. Felix Hartlaub besuchte die Odenwaldschule in  Heppenheim. In Berlin studierte er Neuere Geschichte,  Romanistik und Kunstgeschichte. Sein kurzes Dasein war  geprägt von zwei Weltkriegen. Es überrascht nicht, dass der Krieg und was er aus den Menschen macht, Hartlaubs  Lebensthema wurde. Hartlaub war Rekrut bei der Wehrmacht, reiste als historischer Sachbearbeiter ins besetzte Paris und verfasste schließlich im sog. Sperrkreis II der Führerhauptquartiere Teile des Kriegstagebuchs des Oberkommandos der Wehrmacht.

Unter dem Begriff der Tarnkappe wurde der Name Felix  Hartlaub postum zum Begriff in der Literaturgeschichte.  Hartlaubs Schilderungen und Prosaskizzen aus dem Berlin

 

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der 30er Jahre, seine Aufzeichnungen als Soldat bei der
Wehrmacht, seine bedrückenden Impressionen aus dem
besetzten Paris und nicht zuletzt seine Beschreibungen
des skurrilen Innenlebens der Führerhauptquartiere
Werwolf, Wolfsschanze und des  Sonderzugs Atlas gehören
zum Besten, was die Literatur jener Jahre zu bieten hat.


»Kein anderer Schriftsteller seines Alters ist damals
erzählerisch soweit vorgedrungen in die innerzivilisatorischen
Wüsten der Weltkriegszeit, keinen hat Entwurzelung in
solche Hellseherei getrieben. Es ist Zeit, diesen verheißungs-
vollen
Autor unter der Tarnkappe hervorzuziehen.«
Durs Grünbein, FAZ vom 9.5.1995.

17. Juni 1913 Felix Hartlaub wird in Bremen als Sohn des Kunsthistorikers Dr. Gustav Friedrich  Hartlaub und seiner Frau Félicie, geb. Meyer, geboren

1913/14

Umzug der Familie nach Mannheim, wo Gustav Friedrich Hartlaub eine Stelle an der Kunsthalle Mannheim annimmt

1923 bis 1928

Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim, es entstehen die ersten Prosaarbeiten

1928 bis 1932

Besuch der Odenwaldschule bei Heppenheim/Bergstraße; er verfasst das Laienstück Der Bundschuh

April bis Juni 1930

Als Austauschschüler in Straßburg, lebt in der Familie von Maurice Halbwachs

Mai 1930

Tod der Mutter

1932

Abitur

1932 bis 1933

Handelshochschule Mannheim. Erzählung Die Reise des Tobias

1933

Studienaufenthalt in Italien

März 1933

Amtsenthebung des Vaters durch die Nationalsozialisten

1933 bis 1934

Studium der Romanistik und Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität  in Heidelberg. Novelle Parthenope oder das Abenteuer in Neapel

März 1934

Arbeitsdienst in Achern/Sasbachwalden

1934 bis 1939

Studium der Neueren Geschichte, Romanistik und Kunstgeschichte an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin bei Walter Elze und Wilhelm Pinder. Enger Kontakt zur Familie Gysi.

1935 bis 1938

Berliner Tagebuch

Februar 1939

Promotion über Don Juan d´Austria und die Schlacht bei Lepanto bei Walter Elze

1939

Erzählung Breughels Affe

September 1939

Eingezogen zur Wehrmacht. Sperrballon-Einheit in Bad Saarow, Kaiser-Wilhelm-Kanal, Ruhrgebiet, Wilhelmshaven. Kriegsaufzeichnungen aus Deutschland

Dez. 1940 bis Aug. 1941

Reklamation zur Historischen Archivkommission des Auswärtigen Amtes nach Paris. Kriegsaufzeichnungen aus Paris

Sept. bis Nov. 1941

Eingezogen zur Wehrmacht, Ploiesti/Rumänien. Kriegsaufzeichnungen aus Rumänien

Nov. 1941 bis Mai 1942

Tätigkeit als historischer Sachbearbeiter in der Abteilung Wehrmachtskriegsgeschichte beim Oberkommando der Wehrmacht in Berlin

Mai 1942 bis März 1945

Versetzung in die Abteilung »Kriegstagebuch« des OKW/WFSt; Führerhauptquartier »Werwolf« bei Winniza in der Ukraine; »Wolfsschanze« bei Rastenburg/Ostpreußen und in Berchtesgaden. Aufzeichnungen aus dem Führerhauptquartier

Januar 1945

Erzählung Mond und Pferde

Anfang April 1945

Letzter Urlaub bei der Familie in Heidelberg

April 1945

Abkommandierung zur Infanterie. Hartlaub sollte sich bei einer Kampfformation in der Seeckt-Kaserne in Spandau melden, wo er jedoch nicht eintraf. Er gilt seitdem als  vermisst.

Oktober 1955

Hartlaub wird vom Amtsgericht Heidelberg offiziell für tot eklärt, als Zeitpunkt des  Todes wird der 31.12.1945 festgelegt.

Wie sähe unsere Literatur aus, wenn Eugen Gottlob Winkler sich 1936 nicht vergiftet hätte, wenn Friedo Lampe und Felix Hartlaub nicht 1945 umgekommen wären? Weniger trostlos, ganz gewiss. Die Mittelmäßigkeit könnte sich weniger aufspielen. Da wären nämlich ein paar Autoren, heute in den Siebzigern, gewiss von europäischem Rang. Da gäbe es Essays und erzählende, betrachtende Prosa, die höchste Maßstäbe nicht zu fürchten bräuchten. Denn schon als Mittzwanziger, Mittdreißiger hinterließen diese Autoren Texte, die wenig Vergleiche scheuen müssten. Die Rede sei hier nur von einem dieser tragisch Frühvollendeten, von Felix Hartlaub.

Weh mir, dass ich ein Deutscher bin, möchte man  zitieren, denn man kann nicht voraussetzen, dass sein Name oder gar seine Biographie, sein Werk bekannt sind.

Also: 1913 in Bremen als Sohn des Kunsthistorikers und Kunsthalle-Assistenten G. F. Hartlaub geboren. 1913 bis 1928 Gymnasium in Mannheim, wo der Vater zum Direktor der Kunsthalle ernannt worden ist. 1928 bis 1932 Odenwaldschule. Früh literarische und bildnerische Versuche. 1933 Studienaufenthalt in Italien und Amtsenthebung des Vaters durch die Nazis. 1934 Arbeitsdienst und Studium der neueren Geschichte in Heidelberg. 1935 bis 1939 Studium in Berlin. 1939 Promotion mit einer Arbeit über Don Juan d’Austria und die Seeschlacht bei Lepanto. Sofort bei Kriegsbeginn zur Wehrmacht eingezogen, zu einer Sperrballon-Einheit, stationiert an der Odermündung, am  Kaiser-Wilhelm-Kanal und im Ruhrgebiet. Im Dezember 1940 von der historischen Archivkommission des Auswärtigen Amtes nach Paris geholt. 1942 als historischer Sachbearbeiter zur kriegsgeschichtlichen Abteilung beim Oberkommando der Wehrmacht Berlin Bendlerstraße. Vom Mai jenes Jahres an in der Abteilung Kriegstagebuch des Führerhauptquartiers "Werwolf"/Winniza, Ukraine. 1943 – 1945 im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" bei Rastenburg/Ostpreußen und in Berchtesgaden. Im April 1945 wieder zur kämpfenden Truppe versetzt und in den Kämpfen um Berlin verschollen.

Militärisch hat es Hartlaub, offenbar ohne entsprechenden Karriere-Ehrgeiz, nur zum Obergefreiten gebracht. Was ihn freilich von den übrigen Mitgliedern der Wehrmacht, in welchem Rang auch immer, unterschied, war die Tatsache, dass er eine Art Tagebuch führte, und zwar als Schriftsteller. Zweihundert Seiten in fünfeinhalb Jahren, nicht einmal vierzig Seiten also per annum. Hartlaub wollte das Material später in einem Roman aus der Froschperspektive verarbeiten.

Dies bedeutet von vornherein Verdichtung, Unterdrückung des Unwesentlichen. Anders als beim offiziellen Kriegstagebuch, das streng diaristisch geführt werden musste, setzte das poetische Subjekt Hartlaub in seiner Chronik Akzente, überging Tage und Wochen, ließ das Banale verdampfen. Und doch durchdrangen das Offizielle,Historiographische und das Private einander oft seltsam: um seine eigenen Aufzeichnungen zu tarnen, führte Hartlaub nicht selten dienstliches Material ein, das von der zeitweiligen Herausgeberin, seiner Schwester, freilich spurlos wieder herausoperiert wurde.

Seinerzeit war noch mehr aus den Texten Hartlaubs getilgt worden, wohl in bester Absicht, die Prüderie der Adenauerzeit nicht all zu sehr vor den Kopf zu stoßen. Aus dem Beginn des letzten Prosastücks, "Der Zug in den Abgrund", wurden bei der ersten Edition »Stellen unterdrückt, Passagen«, in denen Hartlaub etwa sexuelle »Vorkommnisse« im Sonderzug des Führers beschrieb; nicht etwa die des Führers selbst, sondern die der Offiziere und Stabshelferinnen, der Küchenbullen und Stenotypistinnen, jene Amüsements auf Teufel komm raus in verhängten Bahnabteilen, in denen morgens die Ritterkreuze aus Schwanenpelz-Pantöffelchen fielen und die blauen Lampen mit Schlüpfern umwickelt waren. Solche Texte mit Pornographie zu verwechseln, sollte auch in weniger permissiven Zeiten unmöglich gewesen sein. Nichts lag nämlich Hartlaub ferner, als sich mittels sexueller Drastik zu bereichern.

Ob seine Texte bei der tödlichen Unsicherheit ringsumher je die Öffentlichkeit erreichen würden, war äußerst ungewiss. Zudem war er viel zu schüchtern und melancholisch, um auf Reißerisches zu spekulieren. Es ist besonders anrührend zu sehen, wie er, der die Lage vielleicht am deutlichsten erkannte und formulierte, allein blieb im  allgemeinen Taumel: wie er die Zeit verstreichen fühlte, sich heraussehnte aus seiner Einsamkeit und doch in  sie gebannt blieb.

Wenn Schriftsteller wirklich die Menschen sind, denen die rettungslose Einsamkeit des Ichs in der Welt und zwischen den Menschen am stärksten zum Bewusstsein kommt, dann war Felix Hartlaub ein Schriftsteller. Schon früh wünschte er sich eine Tarnkappe: der Beobachter, der selbst unsichtbar ist. Und gab es auch kein Zaubermittel! – die Unscheinbarkeit des rangniedrigen Soldaten, des wissenschaftlichen Hilfsarbeiters war Tarnung genug. Er hörte und sah. Die Menschen ließen sich in seiner Gegenwart gehen, während alles – Töne Farben, Gerüche – mit einer ungewöhnlichen Intensität in ihn einging.

Vor allem an seinen Texten aus Paris ist diese Pan-Ästhesie so beeindruckend. Das Paris des Jahres 1941 sei »nichts weiter als eine europäische Provinzstadt. Man brauche ihr nicht mehr in Ehrfurcht zu nahen«, hatte ein Festredner aus dem Deutschen Reich getönt. Hartlaub notierte es als ersten Satz seiner französischen Aufzeichnungen, und er hielt sich strikt nicht an dieses Motto. Er bewegte sich in dieser eroberten Kapitale nie wie ein Sieger, eher wie ein Gast, der seine Eindrücke als Geschenke empfängt. In jener Stadt, in der die Einheimischen ab 23 Uhr Ausgehverbot hatten, betrieb er im eigentlichen Sinne Kollaboration: mit den besten Traditionen der einheimischen Literatur und Malerei. Angesichts der zahlreichen Beschreibungen des Gesichts von Paris, des Wetters, des Himmels, der  Architektur, der Menschen, fühlt man sich an Proust und an den Impressionismus erinnert (wobei Hartlaub letzteren als Sohn eines Kunsthallen-Direktors besser gekannt haben dürfte). Es gab wohl keinen deutschen Schriftsteller damals, der mit Worten so malen konnte wie er, bei dem sich Form- und Farbwahrnehmung mit einer derartigen sprachlichen Ausdrucksfähigkeit verbanden. (Es wäre eine Aufgabe für sich, die Farbworte Hartlaubs einmal zusammenzustellen: vom Bräunlich-Brandigen, Goldbraunen, Bronzebraunen, Lilabraunen übers opake Braungrün, Goldbraunblaue bis zum Moderschwarzen – das ist nur eine Auswahl aus wenigen Seiten.)

Die Pariser Texte des Flaneurs Hartlaub sind oft Ding-Gedichte in Prosa. Der Mensch bleibt nicht selten ausgesperrt, oder er tritt, wie in der Schöpfung selbst, erst spät auf und liefert die Pointen. In allen Sprachen und Dialekten. Genau gehört, genau gesetzt. Es ist, als hätte Hartlaub in einer Zeit allgemeiner Bestialität manchmal Zuflucht bei der Unschuld der Sachen, des Unpersönlichen, des Transhumanen gesucht, wenngleich das alles häufig genugzum Mittel menschlicher Zwecke gemacht wurde oder sie doch als Spiegel reflektierte.

Hartlaub liebte die Beobachtung der Peripherie und schloss von da auf die Ereignisse im Zentrum. Die Wende des Zweiten Weltkrieges, die »Weltwende«, wie er sogar sagt, nämlich den Befehl Hitlers zum Einmarsch in die Sowjetunion, reflektiet der Autor aus der Perspektive eines Pariser Bordells. Und Stauffenbergs Attentat vom 20. Juli 1944, obgleich er, Hartlaub, damals schon Bewohner des Sperrkreises 2 im Führerhauptquartier war, »ganz von außen ... gleichsam von außerhalb des Sperrkreises. Der Landmann, der den Knall hört und einen Augenblick im Pflügen innehält, der Wachtposten, der seinen Rundgang unterbricht. Ein erschrockener Taubenschwarm flattert auf, alle haben einen Augenblick das Gefühl, dass es noch einmal vorübergegangen ist: der Posten nimmt seinen Rundgang wieder auf, der Taubenschwarm fällt in einen Baumwipfel ein und so weiter«. Trotz aller Generalsmemoiren, trotz aller historischen Untersuchungen (die ja mittlerweile Bibliotheken füllen) – wer die Texte aus Hartlaubs letzter Lebenszeit nicht gelesen hat, weiß nicht, wie es im ersten Kreis der Hölle rings um die "Wolfsschanze" zugegangen ist, wie die Menschen dort lebten; weiß nichts über das Nebeneinander von Gottesgericht und Pilze Auffädeln, von militärischem Kalkül und erotischem  Geplänkel, von Information und Ahnungslosigkeit, und wie sich deren Verhältnis gegen Kriegsende umkehrt: »Das Gefälle ist jedenfalls nicht mehr da, vom Zug auf den Bahnsteig herunter. Eher ist es nun umgekehrt. Die auf dem Bahnsteig wissen womöglich schon mehr über die Lage ...«

Felix Hartlaub äußerte zuweilen die Befürchtung, kein Schicksal zu haben. Dass er dann spurlos verschwand - war das der eigene Tod, der Tod unter der Tarnkappe? Oder war es ein absurder, banaler, unverdienter Tod? Es ist müßig darüber zu spekulieren. Ein Schicksal ist indes mit Gewissheit unverdient für diesen Schriftsteller: das, ungelesen zu bleiben.

Karl Corino


»Die Frage nach der Genese, nach dem ‚Wie war es möglich’,
              wird wohl die einzige sein, die noch an uns gerichtet,
          zu der vielleicht noch etwas zu sagen sein wird.«


Felix Hartlaub

       Das Werk

 
1993 Der schriftstellerische Nachlass, verwaltet von der Schwester Geno Hartlaub,
geht an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach

2003 Der künstlerische Nachlass geht als Depositum von der Nichte Melanie Hartlaub  an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach
 

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Hartlaub, Felix: Mahad, in: Kunstblatt der Jugend. Schöpferische Schularbeit in Bild und Wort, H. 6 (1928),
S. 360–367.
Hartlaub, Felix: Bundschuh. Das Spiel vom Bauernkrieg. Druck der Odenwaldschule, Oberhambach bei
Heppenheim o.J. [Sommer 1929].
Hartlaub, Felix: Erlebtes an einem französischen Gymnasium. Eindrücke eines deutschen Schülers, in: Frankfurter
Zeitung, 6. Jg., 18.1.1931, S. 6.
Hartlaub, Felix: Was mir das Zeichnen bedeutet, in: Praktisches und Theoretisches von dem bildnerischen
Unterricht in der Odenwaldschule, in: Der neue Waldkauz, hrsg. in der Odenwaldschule,
6. Jg., Nr. 7/8 (Juli/Aug. 1932), S. 76.
Hartlaub, Felix: Der letzte Sonntag, in: Rheinisch-Pfälzische Monatshefte, hrsg. v. Oskar Bischoff, 5. Jg.
(Okt. 1934), S. 10–15.
Hartlaub, Felix: Don Juan d’Austria und die Schlacht bei Lepanto. Dissertation, Berlin 1940.
Hartlaub, Felix: Von unten gesehen. Impressionen und Aufzeichnungen des Obergefreiten Felix Hartlaub,
hrsg. v. Geno Hartlaub, Stuttgart 1950.
Hartlaub, Felix: Führerhauptquartier 1943–44, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken,
4. Jg., H. 4 (1950), S. 369–384.
Hartlaub, Felix: Parthenope oder Das Abenteuer in Neapel, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches
Denken, 5. Jg., H. 2,3,4 (1951), S. 152–168, 268–283, 353–371.
Hartlaub, Felix: Parthenope oder Das Abenteuer in Neapel. Novelle, Stuttgart 1951.
Hartlaub, Felix: [Briefe], in: Genius der Jugend. Der deutsche Jüngling in Briefen aus drei Jahrhunderten,
hrsg. v. Gerhard F. Hering, Stuttgart/Hamburg 1951, S. 472–478.
Hartlaub, Felix: Wolken über Paris. Tagebuchblätter 1941, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches
Denken, 6. Jg.,
H. 6 (1952), S. 549–561.
Hartlaub, Felix: Notes et Impressions, in: Les Temps Modernes. Directeur Jean-Paul Sartre, Nr. 83 (Sept. 1952),
S. 435–449.
Hartlaub, Felix: [Ausschnitt aus »Von unten gesehen«], in: Die Tat, 7. Ausgabe, 1. Juni 1952, S. 7.
Hartlaub, Felix: Wolken über Paris. Impressionen aus dem Besatzungsjahr 1941, in: Die Neue Rundschau,
64. Jg., H. 4 (1953), S. 532–544.
Hartlaub, Felix: Die Reise des Tobias, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, 8. Jg.,
H. 10,11,12 (1954), S. 961–977, 1054–1067, 1138–1154.
Hartlaub, Felix: Mond und Pferde. Ein Nachtstück, in: Jahresring. Ein Schnitt durch Literatur und Kunst der
Gegenwart, Stuttgart 1954, S. 5–12.
Hartlaub, Felix: Im Sperrkreis. Aufzeichnungen aus dem zweiten Weltkrieg, hrsg. v. Geno Hartlaub. Erw.
Ausgabe des Buches »Von unten gesehen«, Stuttgart/Hamburg 1955.
Hartlaub, Felix: Das Gesamtwerk. Dichtungen, Tagebücher, hrsg. v. Geno Hartlaub, Frankfurt am Main 1955.
Hartlaub, Felix: Berliner Tagebuchblätter 1935/36. Aus dem Nachlaß, in: Akzente. Zeitschrift für Dichtung, hrsg.
v. Walter Höllerer und Hans Bender. Teil I: H. 1 (1955), S. 80–84; Teil II: H. 2 (1955), S. 179–183;
Teil III: H. 3 (1955), S. 272–278. München 1955.
Hartlaub, Felix: Briefe und Tagebuchaufzeichnungen aus Neapel, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches
Denken, 10. Jg., H. 6 (1956), S. 569–573.
Hartlaub, Felix: Briefe an N.N., in: Die Neue Rundschau, hrsg. v. Gottfried Bermann Fischer, 67. Jg., H. 4 (1956),
S. 671–698.
Hartlaub, Felix: Pariser Antiquitäten. [Aus: Tagebuch aus dem Krieg], in: Welt und Wort 11 (1956), S. 112.
Hartlaub, Felix: Hundegeschichte, in: Texte und Zeichen. Eine literarische Zeitschrift, hrsg. v. Alfred Andersch.
3. Jg., H. 4 (1957), S. 384–350.
Hartlaub, Felix: Breughels Affe. Ein Fragment, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, 11. Jg.,
H. 11 (1957), S. 1040–1057.
Hartlaub, Felix: Felix Hartlaub in seinen Briefen. Mit 24 Federzeichnungen, hrsg. v. Gustav Friedrich Hartlaub
und Erna Krauss, Tübingen 1958.
Hartlaub, Felix: Das Gesamtwerk. Dichtungen, Tagebücher, hrsg. v. Geno Hartlaub, Frankfurt am Main 1959.
Hartlaub, Felix: Wolken über Paris, in: Der goldene Schnitt, Frankfurt am Main 1959, S. 672–682.
Hartlaub, Felix: Die OKW-Kriegsschauplätze im Rahmen der Gesamt-Kriegsführung (1. Januar – 31. März 1944),
in: Kriegstagebuch
des Oberkommandos der Wehrmacht, hrsg. v. Percy E. Schramm, Bd. 7.1,
Frankfurt am Main 1961, S. 78–120.
Hartlaub, Felix: Der südöstliche Kriegsschauplatz, in: Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht,
hrsg. v. Percy E. Schramm, Bd. 7.1, Frankfurt am Main 1961, S. 601–727.
Hartlaub, Felix: Der negative Held. Felix Hartlaub, in: Ders.: Literarische Portraits, München/Wien 1962,
S. 77–82.
Hartlaub, Felix: Breughels Affe, in: Eckart-Jahrbuch 1963/64 (1963), S. 132–160.
Hartlaub, Felix: Im Sperrkreis. Aufzeichnungen aus dem zweiten Weltkrieg, hrsg. v. Geno Hartlaub. Erw. Neuausgabe,
Frankfurt am Main 1984.
Hartlaub, Felix: Die Zeichnungen, hrsg. v. Hellmut Seemann, Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt
am Main 1993.
Hartlaub, Felix: Paris 1941. Journal et Correspondance (Extraits). Traduit de l’allemand par Jean-Claude Rambach.
Préface de Paul Nizon, Paris 1999.
Hartlaub, Felix: Parthenope o L’Avventura a Napoli. A cura die Lea Ritter Santini, Neapel 2000.
Hartlaub, Felix: »In den eigenen Umriss gebannt«. Kriegsaufzeichnungen, literarische Fragmente und Briefe aus
den Jahren 1939 bis 1945, hrsg. v. Gabriele Ewenz, Bd. 1 Texte, Bd. 2 Kommentar, Frankfurt am
Main 2002; 3. revidierte Auflage 2007.
Hartlaub, Felix: Kriegsaufzeichnungen aus Paris. Nachwort von Durs Grünbein, Frankfurt am Main 2011.
Hartlaub, Felix: Italienische Reise. 21.Mai 1931 - 20.Juni 1931, Berlin, 2013.
Hartlaub, Felix: Aus Hitlers Berlin. 1934 -1938, Berlin, 2014.
Hartlaub, Felix: Platon und der Staat. Mit einer Vorbemerkung von Karl Corino, in: Sinn und Form, 66. Jahr, Heft 1, (2014), S.48-62.
Hartlaub, Felix: "In Neapel war ich sehr von der eigentlichen Ohnmacht der Kunst vor dem Leben überzeugt". Briefe an die Familie aus Italien 1933. Ediert von Nikola Herweg und Harald Tausch, in: Sinn und Form, 69. Jahr, Heft 3, (2017), S.293-317.
Hartlaub, Felix: Neapolitaner Aufzeichnungen. Ediert von Nikola Herweg und Harald Tausch, in: Sinn und Form, 69. Jahr, Heft 4, (2017), S.467-477.
Hartlaub, Felix:

Don Juan d'Austria und die Schlacht bei Lepanto. hrsg. v. Wolfram Pyta und Wolfgang M. Schwiedrzik, Neckargemünd, 2017.

 

Basler, Otto: Felix Hartlaub. Das Gesamtwerk, in: Das Bücherblatt, 19. Jg., Nr. 12, 9. Dez. 1955.
Corino, Karl: Schreiben unter der Tarnkappe. Zum 100. Geburtstag von Felix Hartlaub, in: Das Plateau, Heft 138, (2013), S.4-21.
Corino, Karl: Schreiben unter der Tarnkappe. Ein Porträt Felix Hartlaubs im Gespräch mit seiner Schwester Geno (1986), hrsg. v. Felix-Hartlaub-Gesellschaft, (2013).
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»Ich habe nur ein scharfes,
oft überscharfes Auge
und eine erstaunlich
kundige und
etwas ruchlose Imagination …«


Der zeichnerische Nachlass von Felix Hartlaub ist singulär: sowohl im Hinblick auf Form und Inhalt als auch hinsichtlich der Entstehungsumstände und Rezeption. Seitdem sein literarisches und zeichnerisches Werk im Fokus von Wissenschaft und Forschung steht, wird immer wieder die Rolle des Elternhauses, insbesondere des ambitionierten Vaters auf die künstlerische Entwicklung des Kindes diskutiert. Gustav Friedrich Hartlaub war es, der die kreativen Fähigkeiten des Sohnes förderte und seine künstlerischen Zeugnisse bewahrte … Gustav Friedrich Hartlaub war einer der bedeutendsten Museumsmänner seiner Zeit. Seine progressive Sammeltätigkeit und wegweisende Ausstellungen wie 1921 »Der Genius im Kinde«, 1925 die Schau »Neue Sachlichkeit« oder 1927 »Neue Wege und Richtungen der abstrakten Malerei in Europa« gründeten nicht nur seinen Ruf, sondern langfristig auch den der Kunsthalle Mannheim. …

Die Beziehung zwischen dem ehrgeizigen, erfolgreichen Vater und dem frühbegabten Sohn pendelte zwischen Förderung und Überforderung, war aber auch in späteren Jahren von gleichberechtigtem gegenseitigem Austausch geprägt. …

Die Verbindung zur freigeistigen Odenwaldschule bei Heppenheim war übrigens schon im Rahmen der Ausstellung »Der Genius im Kinde« zustande gekommen. …

An der von Paul Geheeb 1910 gegründeten Odenwaldschule gelang es Felix Hartlaub vor allem, sein literarisches Können weiterzuentwickeln. Hinzu trat das sich zunehmend ausprägende Interesse an Geschichte. Dem künstlerischen Umfeld des Elternhauses fern, frei von den Anforderungen und Kommentaren des Vaters setzte bei Felix Hartlaub allmählich ein Wandel ein, eine Verlagerung der Interessen. …

Felix Hartlaub selbst reflektiert über den Wandel in seiner künstlerischen Auffassung in einem Text mit dem Titel Was das Zeichnen mir bedeutet, den er 1932 als Neunzehnjähriger im Rahmen eines Kompendiums aus den Kursen von Heinrich Sachs an der Odenwaldschule schreibt: »Das Zeichnen bedeutet mir nichts Anderes als Lesen oder Dichten […] Wenn empfangene Eindrücke eine Zeitlang von der Phantasie vereinfacht und nach der Bedeutung für die eigene Individualität geordnet, statt gestaltlosem Gedächtnisinhalt zu lebendigen, mir ganz eigentümlichen Ideen geworden sind, so verschaffen sich diese bald in Aufsätzen, bald in Zeichnungen Ausdruck. […] Aus der Zeichnung entsteht auch eine sehr fruchtbare Rückwirkung auf das Denken, die es, wenn es bildlich ist, zur möglichsten Anschaulichkeit und zur sachlichen Beschränkung erzieht. […] Aber je älter ich werde, desto mißtrauischer betrachte ich das Zeichnen nach der Phantasie. Es ist ein langer Weg von der nach Ausdruck strebenden Phantasiegestalt bis zur fertigen Zeichnung. Selten ist die innere Vorstellung genügend zwingend und einheitlich, um ganz alleine beim Zeichnen die Hand zu führen. ...

Auch wenn das Zeichnen in den folgenden Jahren immer mehr in den Hintergrund tritt, verliert es nicht völlig an Bedeutung. Im Dezember 1938 schreibt er selbstkritisch an den Freund Rudolf Kiewe: »Zum Zeichnen fühle ich allerlei Möglichkeiten, habe aber keinerlei Ausbildung, und ganz ohne die geht’s nicht.« Im Oktober 1944 schreibt er an den Vater: »Zu zeichnen juckt es mich mächtig, aber die Zeit langt nie zum Fertigmachen einer Sache.« ...

Das Verhältnis zwischen Zeichnen und Schreiben im Werk von Felix Hartlaub wurde schon früh thematisiert, nicht zuletzt durch den Vater. Er konstatiert, dem literarischen Können den Vorrang gebend: »Mochte er auch an seinen Zeichnungen nicht in der Weise gestaltend arbeiten wie er sich um das Wort bemühte, sich vielmehr oft mit halb unbewußten Improvisationen begnügen: im Grunde waren die Zeichnungen Vorbereitung zum sprachlichen Ausdruck; umgekehrt sollte dieser mit seinen Beschreibungen einer graphischen Verdichtung des Geschehenen dienen.«

Aus heutiger Sicht gilt es festzuhalten, dass sich Felix Hartlaubs zeichnerisches Werk als gleichwertiger Part einer Früh- und Doppelbegabung in einem ebenso inspirierenden wie konfliktreichen Spannungsfeld entwickelt hat, zwischen überreicher Anregung und kritischer Beurteilung und Erwartung durch den Vater, in einer Lebensspanne, die im Krieg beginnt und im Krieg endet: eine Zeit des Umbruchs, der Unsicherheit, des Verlustes aller Werte und jeglichen Haltes. Dies lässt sich auch aus den Zeichnungen Felix Hartlaubs ablesen und darum sind sie nicht nur künstlerisches, sondern auch historisches Zeugnis von hohem Rang. ...

Herold, Inge: Felix Hartlaub zeichnet, in: Felix Hartlaub. Gezeichnete Welten,
hrsg. v. Inge Herold und Ulrike 
Lorenz, Ausst.-Kat. Kunsthalle Mannheim, Mannheim 2012, S. 22 – 41

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Brüder Karamasov, um 1930
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Im Flugzeug
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Im Mastkorb
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Nobile-Expedition, 1929
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Knecht Ruprecht, 1927
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Krieg, 1929
 
 

» Alles märchenhaft leicht und wimmelnd,
                                      schimmernd und festlich «


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